So finden Sie den richtigen Domainnamen für Ihr Projekt

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Jeder Unternehmen steht bei der Entwicklung eines neuen Projekts vor der Frage "Welchen Domainnamen möchte ich verwenden?". Nachdem ich mich für ein solches Projekt gerade intensiv mit diesem Thema beschäftigt habe, möchte ich meine Erfahrungen gerne teilen und Ihnen einen kleinen Leitfaden für die Auswahl des optimalen Domainnamens für Ihr Projekt an die Hand geben.

Die Grundsatzfrage: „Brand“- oder „beschreibende“ Domain?

Die Grundsatzfrage die Sie sich ganz zu Beginn stellen müssen ist, ob Sie mit Ihrer Domain einen neuen oder bestehenden Brand (Marke/Name) einführen möchten oder Ihre Dienstleistung/Tätigkeit beschreiben. Typische „Brand-Domains“ sind beispielsweise „google.com“, „twitter.com“ oder „wolkenkraft.com“. Gute Beispiele für eine beschreibende Domain sind „werkstattwien.at“, „immobilienscout.de“ oder „selbsthilfewerkstatt-lichtenberg.de“. Die Entscheidung hängt von mehreren Faktoren ab – unter anderem von Ihren Möglichkeiten, einen neuen Brand in Ihrer Branche bekannt zu machen. Je spezieller und abgegrenzter der Markt ist in dem Sie sich bewegen, desto leichter können Sie einen Brand platzieren. Es ist vermutlich wesentlich einfacher den Brand „wolkenkraft.com“ in unserer, sehr speziellen Branche zu platzieren und bekannt zu machen als den Brand „mueller.de“ im mit Konkurrenz gespickten Markt der KFZ-Werkstätten. Natürlich können Sie auch in einem Markt mit viel Konkurrenz einen Brand etablieren – es ist lediglich eine Frage des Ressourceneinsatzes und der Ausgangssituation. Ein schönes Beispiel hierfür ist der Brand „Zalando“, der sich im deutschsprachigen mit massiven Marketingkampagnen positioniert hat oder die Marke „A.T.U“ in Deutschland, die Ihren Brand schon vor den Zeiten des Internets positioniert hatte.

Meine Empfehlung für Ihre Entscheidung:

Wenn Sie bereits ein Produkt oder einen Brand mit einem bestimmten Bekanntheitsgrad haben, Sie sich in einem sehr speziellen Marktsegment bewegen oder es das Projekt gar nicht anders zulässt, wählen Sie eine Brand-Domain. Ansonsten wählen Sie eine beschreibende Domain oder eine Kombination aus beiden wie zum Beispiel „kfz-mueller.de“.

1. Kurz ist gut – und lang auch nicht unbedingt verkehrt

Zumindest in diesem Bereich kommt es sehr wohl auf die Länge an. Prinzipiell gilt: Je kürzer der Domainname desto besser. Grund dafür ist die Annahme, dass ein kurzer Domainname tendenziell mit weniger Tippfehler und schneller vom User im Browser eingegeben werden kann. Eine Länge von maximal 15-20 Zeichen ist hier eine gute Richtgröße. Dem steht entgegen, dass heutzutage sehr viele User (zumindest nach meinem Empfinden) gar keine Domainnamen mehr in die Adresszeile des Browsers eintippen, sondern viel eher einen Teil davon oder gleich ein Such-Keyword. Seitdem die neuen Browser die Suchfunktion direkt in Ihre Adresszeile integriert haben, ist das der von vielen Usern bevorzugte Weg.

2. Bleiben Sie unkompliziert!

Versuchen Sie komplizierte Fantasienamen und Anglizismen zu vermeiden. Speziell wenn Sie eine weniger fremdsprachen- oder technikaffine Zielgruppe ansprechen, können sich Anglizismen negativ auswirken. Ausgenommen hiervon sind Projekte, mit denen Sie einen eigenen Brand etablieren möchten. Ein unkomplizierter Domainname ist für Ihre Kunden meist auch vertrauenserweckender. Wenn Sie im Internet eine neue Jean kaufen möchten, würden Sie im Suchergebnis eher auf „jeansshop-berlin.com“ oder „blue4you.com“ klicken?

3. Selbstbeschreibend

Wählen Sie eine Domain, die Ihre Leistungen oder Ihre Tätigkeit beschreibt. Ein gutes Beispiel ist hier der oben bereits angeführte „jeansshop-berlin.de“. Diese Domain beschreibt sehr genau, was ein Kunde bei Ihnen zu erwarten hat – nämlich dass Sie Jeans verkaufen. Im Gegensatz dazu ist „blue4you.com“ wenig aussagekräftig – es könnte sich um einen Shop für Malerfachbedarf oder aber auch um einen Spirituosenladen handeln. Auch diese Regel gilt selbstverständlich nur, wenn es sich nicht um eine Brand-Domain handelt.

4. Einfach zu schreiben und auszusprechen

Verwenden Sie Begriffe, die einfach auszusprechen und zu schreiben sind. Vermeiden Sie vor allem Namen, die üblicherweise von vielen Usern falsch geschrieben werden. Die Domain „auto-diskussionsforum.com“ bringt gute Voraussetzungen mit, von 30% der User falsch in die Adresszeile eingeben zu werden. Nehmen Sie stattdessen lieber die Domain „auto-forum.com“.

5. Die Region einbeziehen

Wenn sich Ihre Zielgruppe auch mittelfristig klar regional eingrenzen lässt, könnten Sie erwägen den Namen Ihrer Region in die Domain aufzunehmen. Ein schönes Beispiel hierfür ist eine Autowerkstatt in Hamburg, für die folgende Domains denkbar wären:

  • kfz-hamburg.de
  • werkstatt-hamburg.de

Das erscheint mir vor allem bei regionalen Handwerks- oder Gastronomiebetrieben sehr sinnvoll, da sich die Gerüchte mehren, das diese Domainnamen auch bei Diensten wie „Google Local“ oder „Google Maps“ besser ranken.

5. Die Geschichte vom Keyword im Domainnamen

Jedes Projekt hat ein „Master-Keyword„. Das ist jenes Keyword mit dem die meisten potenziellen Kunden nach Ihrer Dienstleistung in Suchmaschinen suchen werden. Im Fall von unseren Jeans-Shop wäre das vermutlich „Jeans“. Auch wenn es hier einfach klingt: Das perfekte Master-Keyword (nämlich nur eines!) zu finden, ist – je nach Projekt – eine durchaus anspruchsvolle Herausforderung. Damit Sie das perfekte „Master-Keyword“ für Ihr Projekt finden, empfehle ich Ihnen einen Artikel im t3n-Magazin, der sich mit Tools zum Finden von Keywords beschäftigt: http://t3n.de/news/keyword-tools-besten-479112/ Was hat das Master-Keyword nun mit der Domainauswahl zu tun? Findet sich der Suchbegriff des Users in der URL einer Seite wieder, wirkt sich das positiv auf das Ranking in den SERPS (Search Engine Result Pages = Suchergebnisseite der Suchmaschine) aus. Wie viel Einfluss die Keywords in der Domain aber tatsächlich auf das Ranking haben, wird vor allem in der SEO-Szene seit geraumer Zeit kontroversiell diskuttiert. Matt Cutts von Google hat zu diesem Thema ebenfalls Stellung bezogen und meint, dass sich Keywords in der Domain „nicht ausschlaggebend“ auf das Raking auswirken.

Wenn Sie sich noch mehr mit diesem Thema beschäftigen möchten, habe ich hier einige interessante Beiträge für Sie:

6. Die richtige Top-Level Domain (TLD) wählen

Endlich ein Punkt, der sich recht pragmatisch durcharbeiten und lösen lässt. Als Top-Level Domain werden die „Domainendungen“ (.com, .de, .net etc.) bezeichnet. Für Ihre Projekt ist die Wahl der richtigen Top-Level Domain genauso entscheidend wie die Wahl des Domainnamens!

Wählen Sie Ihre TLD nach folgenden Kriterien:

  • Nehmen Sie .com oder .<land> (.de, .at, .ch…) als Ihre Hauptdomain! Diese TLD´s sind mit Abstand am Wichtigsten. Sollten Sie auch langfristig nicht international tätig werden, reicht in diesem Fall auch die .<land> TLD aus. Wenn Sie international agieren würde ich als optimale Lösung die „.com“ TLD sowie in jedem Land in dem Sie aktiv sind die .<land> TLD empfehlen. Das hilft Ihnen auch Inhalte Ihres Online-Projekts anhand der TLD gezielt zu steuern.
  • Alternative: .net, .org Sollte .com bzw. .<land> bereits vergeben sein und Sie keine Möglicheit haben den Domainnamen zu ändern, weichen Sie auch .net oder .org TLD´s aus. Optional können Sie auch versuchen Ihre Wunschdomain anzukaufen.
  • Neue TLD´s Mit der Liberalisierung der TLD Verwaltung sprießen derzeit neue TLD´s (.name, .xxx, .berlin etc.) wie Pilze aus dem Boden. Ich persönlich halte von diesen neuen Domainendungen nicht sonderlich viel und sieht man sich die Registrierungszahlen an, dürfte das wohl den meisten so gehen. Eine .com oder .de/.at/.ch Domain ist für Ihre User im Gegensatz zu einer der neuen TLD´s auch vertrauenserweckender, da diese Domainendungen über viele Jahre hinweg gelernte Begriffe sind.

7. Sichern Sie sich orthographisch ähnliche Domains

Dieser Punkt muss vor allem bei Brand-Domains in Betracht gezogen werden. Wenn Sie einen Domainnamen nutzen, bei dem auch nur im Ansatz der Verdacht besteht, dass er auch anders geschrieben werden könnte, sollten Sie sich die Domain in der anderen Schreibweise ebenfalls sichern und auf die korrekte Domain zeigen lassen (Achtung: Duplicate Content vermeiden!). Ein schönes Beispiel ist die Domain „medicus.at“. Wenn mir jemand am Telefon von „medicus.at“ erzählt, wüßte ich offen gestanden nicht, ob die richtige Schreibweise nun „medicus.at“ oder „medikus.at“ ist. In diesem Fall gilt: Beide Domains sichern und für Ihr Projekt einrichten.

8. Vermeiden Sie Sonderzeichen und Umlaute

Vermeiden Sie wenn möglich Bindestriche in den Domains – maximal ein Bindestrich ist in Ordnung. Auch Umlaut-Domains sind nicht das Gelbe vom Ei, sofern Sie nicht zusätzlich die „umgewandelte“ Version der Domain ebenfalls besitzen. Der Grund ist, dass viele User Umlaute im Domainnamen bereits automatisch (weil über Jahre so gelernt) in „umgewandelter“ Form eingeben.

9. Freunde und Verwandte befragen

Machen Sie sich eine Liste mit allen Domainnamen, die Ihnen anhand dieses Leitfadens für Ihr Projekt eingefallen sind. Besuchen Sie mit dieser Liste Ihre Freunde und Verwandten und befragen Sie sie, welche Domain sie am ehesten anklicken würden. Das kann eine große Entscheidungshilfe für Sie sein – sie werden schon nach den ersten fünf Befragungen eine klare Tendenz erkennen können.

10. Urheber- und Markenrecht beachten

Beachten Sie bei der Wahl des Domainnamens auch, dass Sie kein bestehendes Urheber- oder Markenrecht verletzen. Das gilt für allem für Brand-Domains. Recherchieren Sie vor der Domainregistrierung im Netz, ob es ein Produkt / eine Dienstleistung gibt, die sich mit Ihrem Domainnamen deckt. Wenn das der Fall ist, sprechen Sie bitte mit Ihrem Rechtsbeistand über die Sachlage und informieren Sie sich, ob für diesen Namen ein Markenrecht vorliegt. Sollte das Markenrecht- oder Urheberrecht einer anderen Partei durch Ihren Domainnamen verletzt werden, endet das zumeist in einer Zwangsübertragung der Domain an den Rechteinhaber. Das heißt für Sie, dass Sie möglicherweise ein bereits florierendes Geschäft verlieren und zusätzlich noch einiges in Anwalts- und Gerichtskosten investieren. Eine Recherche vor der Domainauswahl zahlt sich also auf jeden Fall aus.

Fazit

Wie Sie anhand dieses Leitfadens sehen, hängt die Wahl des richtigen Domainnamen von vielen Faktoren ab. Nicht zuletzt natürlich davon, ob die Wunschdomain überhaupt noch verfügbar ist. Dieser Letifaden soll nur als Denkanstoß dienen und Sie vor groben Fehlern bewahren. Natürlich kann es im jeweiligen Einzelfall durchaus sein, dass einige dieser Regeln nicht zutreffend sind. Sollten Sie noch weitere Ideen für Richtlinen haben, freue ich mich auf Ihr Kommentar!

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